FRANZ MUSIOL
 
Vita
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"Man weiß nie genug. Und so ist auch im Bekannten das Unbekannte und sein Lockruf. Der Künstler weiß, was er tut, aber damit es die Mühen wirklich wert sind, muss er jene Grenze überschreiten und tun, was er nicht weiß, und in jenem Moment ist er jenseits des Wissens.
Die Kunst ist für den Künstler eine Frage - sind am Ende viele aufeinander folgende Fragen unsere Antwort?"

(Eduardo Chillida)
 
Der Tag war dem Holz gewidmet gewesen ...
(Jane Urquhart, "Die Bildhauer")
1. Januar 1949: Der Ort meiner Geburt ist Seefeld. Ein Dorf am Jadebusen, das jüngste in der Wesermarsch, im 17. Jahrhundert buchstäblich dem Meer abgerungen. Hier, wo ich aufgewachsen bin, stellte ich im Frühherbst 2004 erstmals meine Arbeiten im Kulturzentrum Seelfelder Mühle aus. "Mit Skulpturen zurück in die Heimat", schrieb eine Zeitung.
Die Beschäftigung mit Kunst reicht in etwa so weit zurück wie die mit Holz. Mit 14 Jahren besaß ich meine ersten eigenen Kunstbücher. Vielleicht die erste eigene "Skulptur": Ein Holzfisch aus dem Werkunterricht. Überhaupt waren Werken und Zeichnen, so hieß damals der Kunstunterricht, meine Lieblingsfächer. Die Affinität zum Werkstoff Holz wurde auf jeden Fall hier in der Volksschule Seefeld gelegt.
Vermutlich war es danach nur folgerichtig, dass mein beruflicher Werdegang mit einer Tischlerlehre begann. Ich schlug den so genannten zweiten Bildungsweg ein, verließ im Alter von 20 Jahren die heimatliche Nordseeküste und schloss am Rosenheimer Holztechnikum das Studium zum Diplomholzingenieur ab. Danach arbeitete ich als holztechnischer Forschungsingenieur in der Fertighausindustrie bei Linz am Rhein, aber ich war in diesem Beruf nicht glücklich. Sozialwissenschaftliche und pädagogische Interessen waren hinzugekommen. In Freiburg absolvierte ich ein Zweitstudium zum Diplompädagogen. Dort arbeitete ich anschließend in sozialpädagogischen und berufsvorbereitenden Maßnahmen, leitete im Landkreis Emmendingen ein Handwerkskammerprojekt mit ausländischen Jugendlichen, probierte als technischer Journalist einen beruflichen Abstecher zur Holzberufsgenossenschaft nach München und kehrte dann nochmals nach Freiburg zurück.
Während einiger Monate der Arbeitslosigkeit erledigte ich kleinere holzhandwerkliche Aufträge für Freunde und Bekannte in der Werkstatt eines befreundeten Schreinermeisters. Doch ich wollte wieder als Pädagoge eingestellt werden. Nach zahlreichen Bewerbungen erhielt ich eine über die weitere berufliche Zukunft entscheidende Zusage aus Mosbach in Nordbaden. Hier unterrichte ich seit April 1991 als wissenschaftlicher Lehrer für Holztechnik in der Sonderberufsschule am Berufsbildungswerk junge Menschen mit Lern- und Mehrfachbehinderungen im Berufsfeld Holz. Ein Kreis schien sich zu schließen. Trotz mancher biografischer Brüche war Holz zu einem Lebensthema geworden.
Ungebrochen hingegen war in all den Jahren seit der frühesten Schulzeit meine Vorliebe für Literatur. Und wann immer möglich besuchte ich Kunstausstellungen: Maler, vor allem des 20. Jahrhunderts, und später Bildhauer. Mich beeindrucken und begeistern die Skulpturen von Archipenko, Arp, Boccioni, Brancusi, Chillida, Claudel, Giacometti, Matisse, Mitoraj, Moore, Peppone und Rodin.
Das eigene künstlerische Arbeiten setzte Ende der 90er-Jahre ein. Seit gut fünf Jahren fertige ich außerhalb meines Berufes als holzbildhauerischer Autodidakt Skulpturen. Schönen Hölzern wie Eibe, Kirsche, Mooreiche, Nussbaum, Rüster oder Zwetschge bin ich besonders auf der Spur. Ich sehe Stamm- und kräftige Aststücke mit Wuchsstörungen oder einem ungewöhnlichen Wuchsverlauf, Wurzelstöcke, Treibholz am Flussufer, Sturmholz oder gefällte alte Obsthölzer. In ihnen finde ich meine ganz persönlichen Formen.
Franz Musiol, im Juni 2005